Borax
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Natrium boracicum; Natrium tetraborat
Pharmakologisches / Arzneilich genutzte Teile / Vorkommen
Das chemische Element Bor hat eine Wirkung auf den Wasserstoffwechsel (Trockenheit der Schleimhäute und Anregung der Diurese).
Die Ausscheidung von Borax aus dem Organismus geschieht über Speichel, Muttermilch, Harn und Kot (schreibt Lewin).
In der Allopathie ist Borax im Einsatz als Alkalisierungsmittel, Adstringens und Stomachicum. Es gibt eine Lokalanwendung bei Soor und Aphten. Umschläge mit 3-4%iger Boraxlösung sind sehr wirksam beim Abstillen junger Mütter, wenn die Milchsekretion nicht aufhören will. Borax wurde auch als Abortivmittel benutzt. Bei Epilepsie empfiehlt Stauffer 2 bis 3mal täglich 0,5g-Dosen oder als D1 bis D4.
Toxikologie
Es gibt Vergiftungsfälle sowohl von der Borsäure als auch von dem Gesamtstoff Borax (also der Verbindung von Natrium mit Borsäure). Hier seien nur die reinen Borax-Vergiftungen genannt.
Lewin:
Bei einer Menge von 2 bis 6g kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, breiigen Stuhlentleerungen und hartnäckigen Hautausschlägen. Lewin schreibt, es sei „wohl möglich“, dass hohe Dosen (20g und mehr) Enteritis und Entzündungen des Fruchthalters auslösen können und damit zur Abtreibung führen.
Voisin:
„Bei längerem Gebrauch können Durchfall, ein schwärzlicher Gingivalsaum und Exantheme auftreten“.
Miasmatische Zuordnung/en
Antisykotikum (hat Gonorrhoe geheilt).
Causae
Fv Quecksilberabusus.
Leitsymptome
- Angst vor Abwärtsbewegungen; Kinder werfen die Hände nach oben, als ob sie Angst vor dem Fallen hätten; beim Treppen-nach-unten-Gehen, beim Schaukeln und ins-Bett-legen
- Angst und Schreck bei plötzlich einsetzenden Geräuschen (Donner, Pistolenschuss, Husten)
- Angstzustände bis 23.00 Uhr, dann plötzlich aufhörend
- Wunder und heißer Mund der Kinder, voller aphtöser Geschwüre; das Kind schreit, wenn es gestillt wird; oft mit Durchfällen
- Bauchkolik, gefolgt von lockeren, breiigen, stinkenden Stühlen bei Kindern
- Schmerzen beim Stillen in der Brust, an der das Kind nicht trinkt
- Heißer, brennender Schmerz in der Harnröhrenmündung; Kinder schreien vor und während Urinieren
- Schmerzhafte membranöse Dysmenorrhoe; Menses zu früh, zu stark, zu lang
- Reicher, eiweißartiger Fluor zwischen den Perioden; „als ob warmes Wasser die Oberschenkel hinunter liefe“
- Gefühl von Spinnweben in Gesicht und Händen (Bar-carb, Alum)
- Husten mit bitterem, schimmeligem Auswurf
- (Pleuritische) Schmerzen in der rechten, oberen Brust; beim Husten, beim Einatmen
Gemütssymptome
Angst bei Abwärtsbewegungen, Schaukeln, Treppen-Hinuntersteigen, Angst um 23.00 plötzlich vergehend. Empfindlich gegen plötzliche selbst leise Geräusche. Sehr nervös, äußerst schreckhaft.
Körperliche Beschwerden
Kopf und Schwindel:
Schwindel mit Ohnmachtsneigung, mit Vollheit im Kopf. Schwindel und Übelkeit beim Nachdenken und Sprechen.
Kopfschmerz mit Übelkeit und Zittern am ganzen Körper, um 10.00 Uhr. Weichselzopf, verfilzte Haare können nicht voneinander getrennt werden (Vinc.). Hitze im Kopf bei vielen Beschwerden.
Augen:
Entropium; Einwärtskehrung der Wimpern und Lidränder in das Auge, das sich entzündet, v.a. im äußeren Augenwinkel. Granulöse oder verdickte Lider; weiße Körnchen zwischen den Wimpern. Augenflimmern morgens, wie helle, sich bewegende Wellen.
Ohren:
Sehr empfindlich gegen das leiseste Geräusch. Schwerhörigkeit, Verstopfungsgefühl, Ohrensausen < im linken Ohr. Ohrensausen vor und während der Periode. (Chronische) Otorrhoe.
Nase:
Chronische Entzündung der Nasenschleimhaut mit reichlichen Absonderungen und trockenen Krusten. Geschwür im linken Nasenloch. Rote Nase bei jungen Frauen (Nat-carb); plötzliche Rötung. Schwellung und Ulzeration der Nase. Besserung durch Nasenbluten (Schwindel, Kopf).
Gesicht:
Spinnwebengefühl in der rechten Gesichtsseite. Erysipel in Schwangerschaft und Stillzeit. Herpes labialis.
Hals:
Viel zäher, weißer, (auch grüner) Schleim im Hals; muss ihn ausräuspern.Trockenheit, Rauheit, Brennen im Hals. Kitzel reizt zum Husten.
Verdauungstrakt:
Aphten; leicht blutend bei Berührung und beim Essen; Mund sehr heiß, trocken und empfindlich. Aphten bei Säuglingen; sich schnell bildend. Aphten von Mund bis zum Magen. Soor. Schmerzhafte Zahnfleischabszesse. Bitterer, schimmeliger Geschmack.
Auftreibung (und Magendruck) nach jedem Essen. Übelkeit um 10.00 Uhr, mit Kopfschmerz und Zittern am ganzen Körper. Erbrechen beim Ausräuspern von Schleim, nach Menses. Magenschmerz bei Uterusbeschwerden. Bauchweh wie kurz vor dem Durchfall.
Lockere, breiige, stinkende Diarrhoe; bei Kindern; beim Zahnen; durch schlechte Muttermilch; durch plötzliche Geräusche und Gemütsbewegungen; bei Aphten im Mund. Grüne, schleimige Stühle; Tag und Nacht anhaltend. Blut- und Schleimabgang vom After. Aphten, rund um den After.
Urogenitaltrakt:
Erfolgloser Harndrang oder sehr heftiger, eiliger Drang, dass er den Urin fast nicht aufhalten konnte. Beißender Geruch des Urins; heiß, brennt wie Feuer. Brennen beim Urinieren. Das ind schreit vor dem Urinieren (Sars). Kleine, rote Partikel in der Windel. Gonorrhoe.
Kein Verlangen nach Sex, trotz wollüstiger Stimmung. Ejakulation zu früh oder zu spät.
Menses zu früh, zu reichlich; mit Übelkeit und Magenschmerzen, die bis zum Kreuz ausstrahlen. Membranöse Dysmenorrhoe mit heftigen, wehenartigen Schmerzen vor und während Menses. Stechende Schmerzen wie Messer, in Ovarien und Uterus vor den Menses. Leukorrhoe wie Eiweiß mit dem Gefühl, als ob heißes Wasser liefe. Sterilität durch Fluor. Pruritus vulvae und Ekzeme. Aphten.
Atemorgane und Brust:
Kurzatmig nach Treppensteigen. Husten mit schimmeligem Atem, Auswurf und Geschmack. Stiche in der Brust, beim Einatmen und Husten. Pleuritis, Pleurodynie < in der rechten, oberen Brust.
Galaktorrhoe; reichliche, schnell käsig werdende Milch; das Kind verweigert die Milch, schmeckt schlecht, und bekommt Durchfall. Zusammenziehende Schmerzen in der linken Brust, wenn das Kind an der rechten trinkt.
Rücken und Extremitäten:
Zittern am ganzen Körper während des Nachdenkens mit Übelkeit und Schwäche in den Knien. Warzen in den Handflächen. Gefühl von Spinnweben auf den Händen. Jucken auf den Gelenken der Fingerrücken. Ulzera an den Fingergelenken. Ekzem von Fingern und Zehen mit Verlust der Nägel. Panaritium. Fersenschmerz. Stiche in der Fußsohle. Entzündung der Fußballen.
Haut:
Unheilsamkeit der Haut; kleine Verletzungen eitern. Erysipelartige Entzündung mit Schwellung, Spannung, Fieber; im Gesicht. Psoriasis. Frostbeulen > im Freien. Herpes labialis; zoster. Berufsbedingte Ekzeme an Fingern und Händen.
Fieber:
Schaudern, Schüttelfrost, Kälte mit Zittern, Schwere und Schwäche. Hitze mit Schaudern und Kälte beim geringsten Abdecken, z.B. wenn die Hände unter der Decke hervorgestreckt werden. Hitzewallungen morgens und abends.
Unverträglichkeiten, Abneigungen, Verlangen
Verlangen: Milch, Saures.
Abneigung: Muttermilch, die gewohnte Zigarre.
Unverträglich: Essig, Saures, Wein und Alkohol, Obst, Äpfel, Birnen.
Schlaf
Pavor nocturnus mit Schreien. Erwachen wie durch einen Schreck. Schlaflos durch Hitze im Körper, v.a. im Kopf; schlaflos während Hitzestadium im Fieber. Schreckliche, erotische und wollüstige Träume.
Allgemeines
Überreizte Nerven (Nat-carb, Nat-mur). Blässe; weiße Farbe gewöhnlich roter Teile. Stechende Schmerzen (Bry). Spinnwebgefühl (Gesicht, Hände). Viel Hitze an Beschwerdestellen: Heißer Mund bei Aphten, heißer Kopf bei Kopfschmerz, usw.
Modalitäten
AMEL: Im Freien; nach Stuhlgang; nach Nasenbluten; am Meer; durch Rückwärtsdehnen, nach 23.00 Uhr.
AGG: während und nach Essen, Abwärtsbewegung, plötzliche Geräusche, warmes Wetter, nach Menses, 10.00 Uhr.
Arzneibeziehungen/DD zu ähnlichen Arzneien
Furcht vor Abwärtsbewegungen: Borx, Sanic, Gels.
Calcium carbonicum: Leicht blutende Aphten bei Säuglingen; stinkende Diarrhoe bei Kindern; aber: weniger gereiztes Nervensystem, keine Furcht vor Abwärtsbewegung und plötzlichen Geräuschen, reichliches Schwitzen…
Sulfuricum acidum: Aphten und leicht blutendes Zahnfleisch, Zahnfleischabszesse; aber: allgemeine Blutungsneigung von schwarzem Blut, Zittern und Eile, mehr Magensymptome (Sodbrennen, saures Aufstoßen usw).
Bryonia: Stechende Schmerzen; pleuritische Schmerzen < auf der rechten Seite, beim Einatmen, Husten usw.; Menses mit Magenschmerzen; sehr fettige Haare; aber: kein Bezug zu Aphten
Literaturquellen
Böricke, Charette, Mezger, Voisin, Stauffer, Kent, Clarke, Morrison, Seideneder, Leeser, Lippe, Lewin, Blackwood