Barium carbonicum
c: Ondrej Mangl/wikipedia
Bariumcarbonat, Schwererde
Pharmakologisches
Barium scheint zum Aufbau des menschlichen Körpers nach bisherigen Feststellungen in messbaren Mengen nicht erforderlich zu sein, deshalb wird es eher als Fremdstoff, ja sogar giftig empfunden. Wegen der großen Reaktionsfähigkeit des Bariums ist es schwierig, reines Barium herzustellen Barium reiche Böden sind oft unfruchtbar, Pflanzen, die Barium aufnehmen sind giftig. Barium Karbonat kommt in der Natur in faserig kompakten, weiß-gelblichen Massen oder in farblosen Kristallen vor.
Toxikologie
Gefährlich sind die in Wasser oder in verdünnten Säuren ( Magensäure ) löslichen Barium Verbindungen wie Barium Chlorid und Barium Karbonat. Die tödliche Vergiftungsdosis liegt zwischen 2 und 4 Gramm.
Anfangsstadium:
Krankheitserscheinungen des Magen – Darm – Kanals; dann wirkt es als Gift für die Muskelzellen der Skelett- und Herzmuskulatur und verursacht schlaffe Paresen und eine ausgesprochene Bradykardie, zwischen 40 bis 50 Pulsschlägen in der Minute.
Das zweite Stadium:
das Lähmungsstadium, beginnt 2 – 3 Stunden nach der Vergiftung und hält je nach Schweregrad 24 – 30 Stunden an. Es tritt eine schlaffe Lähmung vor allem der oberen Extremitäten und der Halsmuskulatur in Erscheinung, wobei die Sehnenreflexe abgeschwächt bis aufgehoben sein können. Durchfälle und Bradykardie können in diesem zweiten Stadium anhalten, wobei nicht selten Vorhofflimmern beobachtet werden kann. Die leichteren Vergiftungsfälle heilen nach 24 – 36 Stunden ab. Bei einzelnen schweren Fällen kann es zu Auftreten eines
dritten Stadiums:
mit völliger Paralyse der Extremitäten Muskulatur kommen. In der Literatur wird nur ein tödlich verlaufender Fall durch Herzlähmung beschrieben, alle anderen Fälle heilten aus. ( Leeser´s Lehrbuch der Homöopathie : Mineralische Arzneistoffe )
Organaffinität/Seitenbeziehungen
Bar-c. beeinflusst die allgemeine Entwicklung des Menschen, es scheint den harmonischen Entwicklungsgang aufzuhalten. Es wirkt auf die Drüsen, speziell das Lymphsystem und die Tonsillen, auf das Gewebe, besonders das der Arterienwände, es wirkt auf das ganze Gefäßsystem und den Magen-Darm-Kanal.
Oben rechts und unten links.
Miasmatische Zuordnung
Psorisch, Sykotisch
Zählt lt. Bönninghausen zur 5. Klasse derjenigen Mittel, die eine lange Wirkungsdauer haben. Braucht mit am längsten, bis es Wirkung zeigt.
Causae
Entwicklungsstörung nach akuten Krankheiten; unterdrückter Fußschweiß; Impfungen.
Leitsymptome
- Zurückgebliebene geistige oder körperliche Entwicklung
- Abneigung gegen neue Bekanntschaften, große Furcht vor Fremden
- Kindisches Verhalten, Langsam, Unbeholfen
- Große Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, sehr beeinflussbar
- Mangel an Reife oder Atrophie von Körperteilen oder Organen, „zwergenhaft“
- Schwellung aller Lymphdrüsen und Katarrh der Schleimhäute
- Chronische Entzündung der Tonsillen mit starker Schwellung
- Aufgetriebener, vergrößerter Bauch, vor allem bei Kindern
- Schwache und langsame Verdauung, Schwäche nach dem Essen
- Abneigung Obst und Süßigkeiten
- Neigen zu Lipomen und Atheromen, besonders im Nackenbereich
- Sehr frostig und empfindlich gegen Kälte, große Erkältungsneigung
Gemütssymptome
Verzögerte geistige Entwicklung; Senile Demenz und Verwirrung; Langsames Begriffsvermögen; Gedächtnisverlust; Große Schüchternheit, schnell verlegen; außerordentliche Scheu bei Kindern, verstecken sich hinter der Mutter; Unentschlossenheit, sehr beeinflussbar; Kindisches Benehmen; Verlust des Selbstvertrauens; Aufgebracht und zornig über Kleinigkeiten; Langsam, unbeholfen und zurückgeblieben; Abneigung gegen Fremde, Furcht vor allem Fremden; sehr argwöhnisch, dass Leute über sie reden; bildet sich ein ausgelacht zu werden; großes Heimweh; Patient fühlt sich nur zu Hause sicher und geborgen; kann oft nicht alleine aus dem Haus gehen; Traurigkeit wegen Kleinigkeiten; Nervöses Kauen an den Fingernägeln; Geschwätzigkeit vor der Menses;
Körperliche Beschwerden
Kopf:
Sehr empfindlich gegen kalte Luft; Neigung zur Erkältung nach dem Haare waschen; schwerer Druck über den Augen; stechender Schmerz beim Stehen in der Sonne; Schulkopfschmerz; drückende Kopfschmerzen, Schwindel, alles dreht sich; Gefühl, als ob das Gehirn locker wäre und bei Bewegung hin und her fiele; Atherome auf der Kopfhaut, trockene Hautausschläge oder feuchte Krusten auf der Kopfhaut; vorzeitiger Haarausfall, vorzeitige Kahlheit schon bei ganz jungen Männern, geschwollene Lymphknoten am Hinterkopf.
Augen:
Geschwollene Augen am Morgen; Exophthalmus; Verkleben der Augenlider; Gerstenkorn im inneren linken Augenwinkel; Jucken in den Augen; Photophobie; Augenlider verdickt und granuliert; Pupillen weiten und verengen sich schnell; Katarakt; Hornhauttrübung.
Ohren:
Schwerhörigkeit, knackende und rauschende Ohrgeräusche; Lymphknoten um die Ohren schmerzhaft geschwollen; Hautausschläge auf und hinter den Ohren;
Nase:
Schnupfen mit Schwellung von Oberlippe und Nase; Schnupfen, schlechter morgens; Gefühl von Rauch in der Nase; Absonderung von dickem, gelben Schleim; Absonderung mit unangenehmen Geruch; häufiges Nasenbluten, v.a. vor der Menses; schmerzhaftes Trockenheit der Nase; Schorfe an den Nasenflügeln.
Gesicht:
Stupider Gesichtsausdruck; Gefühl, als ob Eiweiß im Gesicht getrocknet wäre; dunkelrotes Gesicht mit purpurnen Lippen und starker Blutwallung; Trockene und rissige Lippen; blasses, gedunsenes Gesicht; Barthaare fallen aus; Unterkieferdrüsen stark geschwollen, verhärtet.
Mund:
Mund wie taub; saurer, bitterer Geschmack; der ganze Mund voller Bläschen, besonders die Innenseite der Wangen; brennende Risse in der Zunge; Zungenlähmung; während des Schlafens starker Speichelfluss, starker Mundgeruch; plötzliche Ansammlung von Wasser im Mund. Gaumen und Mandeln so stark geschwollen, dass der Mund nicht geöffnet werden kann; Mund steht häufig offen; Zahnfleisch blutend und zurückgezogen; rascher Verfall der Zähne; unwillkürliches Zähneklappern; Zahnfistel, Abszesse an den Zahnwurzeln.
Hals:
Tonsillitis bei jeder leichten Erkältung; chronische Entzündung der Tonsillen, mit so riesiger Schwellung, dass die Mandeln den Hals beinahe vollständig verschließen; harte Schwellung der Lymphknoten; Angina mit stechenden Schmerzen, < Leerschlucken; Kloßgefühl im Rachen; Ösophagus Spasmen beim Schlucken, dadurch Erstickungsgefühl; ständiges Gefühl im Kehlkopf, als ob Rauch oder Pech, Schwefeldampf oder Staub eingeatmet würde. Lipome im Halsbereich; chronischer Torticollis.
Verdauungsorgane:
Schwache und langsame Verdauung; Schwäche nach dem Essen; Magenschwäche bei alten Menschen mit Verdacht auf Bösartigkeit; aufgetriebener Bauch bei Abmagerung; Leeregefühl im Magen, Gefühl, als ob der Magen herunterhinge; Abdomen hart und gespannt; Neigung zu Koliken; Verstopfung mit harten, knotigen Stühlen; Diarrhoe mit Schmerz in der Lumbalregion, mit blutigem Schleim; Hämorrhoiden treten hervor beim Wasserlassen. Kribbeln im Rektum; Anus wund und feucht;
Urogenitaltrakt:
Häufiges Wasserlassen; Enuresis; vergrößerte Prostata, schlaffe Genitalien; verhärteter Hoden, Atrophie oder geringe Größe der Genitalien, Hoden, Ovarien, des Uterus; Hodenhochstand; verminderter Geschlechtstrieb oder Abneigung gegen Geschlechtsverkehr; Feuchtigkeit und Wundheit zwischen Skrotum und Oberschenkel, Amenorrhoe, spärliche Menses, vor der Menses Schmerzen im Magen und Lumbalregion; Leukorrhoe unmittelbar vor den Menses; Zahnschmerzen während den Menses.
Atmungsorgane / Brust:
Trockener, erstickender Husten besonders bei alten Menschen, viel Schleim, aber mangelnde Kraft zum Abhusten; schlechter bei jedem Wetterwechsel; Asthma bei alten Leuten; Arteriosklerose mit Hypertonie; Aneurysmen der großen Arterien; Herzsymptome nach unterdrücktem Fußschweiß oder Masturbation; starkes Herzklopfen in Linkslage; Tumor in der Achselhöhle; Akne auf der Brust.
Rücken / Extremitäten:
Rückenschmerzen, schlimmer im Sitzen als bei Bewegung; Prellschmerz zwischen den Schulterblättern; Schwäche der Wirbelsäule; Ängstliches Gefühl mit Unruhe und Unbehaglichkeit in der Lendengegend; Armgeschwulst mit schmerzhaften, geschwollenen Achsellymphknoten; Haut der Hände so trocken wie Pergament; kalte, feuchte Füße, übel riechender Fußschweiß, wundmachend zwischen den Zehen.
Haut:
Wundheit und Nässen an einzelnen Stellen, schlechte Wundheilung, Akne, Lipome, Atherome, Warzen, Panaritium. Schweiß auf der linken Seite; Angstschweiß.
Unverträglichkeiten, Abneigungen, Verlangen
Brot macht Magendrücken und Übelkeit; warmes Essen verursacht Husten.
Verlangen nach kaltem Essen;
Abneigung gegen Obst, vor allem Pflaumen, Süßigkeiten.
Schlaf
Schläfrig und kann nicht schlafen; Schläfrigkeit bei der geringsten Anstrengung; redet im Schlaf, erwacht häufig; ängstliche Träume.
Allgemeines
Zwergwuchs, Unreife im Verhältnis zum bestehenden Alter; Alte Menschen, seniler Zustand mit kindischem Benehmen; Morbus Alzheimer; Fettleibigkeit bei Kindern und Alten; Marasmus bei Kindern mit vergrößerten Drüsen; Geistige, Körperliche und Nervliche Schwäche; Große Angegriffenheit und Empfindlichkeit aller Sinne;
Modalitäten / Allgemein und Lokal
AMEL: durch Gehen im Freien ( die Kopfschmerzen ), durch kalte Speisen, warmes Einhüllen, warmes Wetter, beim Alleinsein.
AGG: beim Denken an Symptome; Gesellschaft, geistige Anstrengung, Gemütsbewegungen, Heben der Arme, liegen auf der schmerzhaften Seite, linke Seite, kalte Luft, feuchte Kälte, Wetterwechsel, Waschen, Gerüche, warme Speisen und nach dem Essen.
Arzneibeziehungen / DD zu ähnlichen Mitteln
Calcarea carbonica: Störungen des Metabolismus; Erkältungsneigung; geistige Langsamkeit; Angst um die Gesundheit oder um die Zukunft; übel riechender Fußschweiß; Drüsenschwellungen.
Pulsatilla: Unentschlossen und leicht beeinflussbar; rezidivierende Infektionen bei Kindern.
Lycopodium: Aufgetriebenes Abdomen, Verdauungsschwäche, Impotenz.
Barium jod.: Hat eine noch stärkere Induration der Mandeln; das Kind ist nervöser, weniger frostig und hat mehr Appetit.
Medorrhinum: Das Kind ist zurückgeblieben und hat vergrößerte Drüsen, der Körper hat jedoch oft einen schlechten Geruch.
Komplementär: Dulc., Sil., Psor., Unverträglich: Calc.carb.
Folgt gut nach: Scilla, Ars., vor und nach Sulph.
gut folgend: Ant-t., Chin., Con., Lyc., Merc., Nit-ac., Phos., Puls., Rhus-t., Sep., Sil., Sulph.
Literaturquellen
Boericke, Seideneder, Clarke, Mezger, Voisin, Lathoud, Morrison, Murphy, Kent, Leeser, Bönninghausen, Lewin.
Barium Aceticum – Bariumazetat :
Klinisch : Paralyse, Rheumatischer Schmerz, Vergesslichkeit.
Hauptsymptome : Lähmung der Extremitäten; Haut mit viel Schweiß bedeckt; Dumpfe, tiefe Herzgeräusche; Sehr unangenehmes Ameisenlaufen und feine Stiche unter der Kopfhaut und im Gesicht; Gefühl wie von einer Kugel in der Leber; Übelkeit gefolgt von plötzlichem und sehr reichlichem Erbrechen von Galle; Heftige Anfälle von reichlichem Erbrechen; Erbrechen fast regelmäßig jede Stunde, 24 Stunden lang; Unwillkürliche Stuhlentleerung, halbflüssiger Stuhl, gefolgt von Obstipation; Kalte Zunge, etwas schwarz.
Barium Iodatum – Bariumjodid :
Klinisch : Brustkrebs, verhärtete Drüsen, Leukozytose, Ophthalmie, Peritonsillarabszeß, Tumore.
Hauptsymptome : Brustkrebs nach Trauma; gesteigerte Leukozytose; Skrofulöse Ophthalmie mit Schwellung der zervikalen Lymphknoten und kümmerliches Wachstum; Tumore und Krebs infolge von Prellungen, Schnittverletzungen, Punktionswunden.
Barium Muriaticum – Bariumchlorid:
Klinisch : Aneurysma; Arteriosklerose; Bronchialbeschwerden; Drüsenschwellungen; Fisteln, Gonorrhoe; postgonorrhoische Harnröhrenabsonderung; Erkrankungen der Hoden; Hypertonie, Idiotie; Infertilität; Konvulsionen, Kopfschmerz; Leukorrhoe; Manie; Multiple Sklerose; Verhärtung des Pankreas; Pankreatitis; Paralyse; Taubheit; Tinnitus, Tonsillitis; Tumore;
Hauptsymptome : Geistige Benommenheit; Sexuelle Manie jeglicher Form, wenn das Sexualverlangen erhöht ist; Verhärtung des Pankreas; Abdominales Aneurysma; Blenorrhoe der Augen, Nase und der Ohren; sehr lichtscheu, das Kind liegt die ganze Zeit über auf dem Gesicht; Vergrößerte und infizierte Tonsillen; Varizen im Hals; Asthma bei alten Leuten, Beschwerden der Bronchien bei älteren Leuten, erleichtert die Expektoration; Flauheitsgefühl im Oberbauch; starke Zunahme von Harnsäure; häufiges, unwillkürliches und schmerzhaftes Wasserlassen; Bubonen nach Gonorrhoe; Hodenschwellung; Verhärtung der Eierstöcke; Tumor oder Atrophie der Ovarien; Periodische Anfälle von Konvulsionen mit übermäßiger Erregung der Extremitäten; Starker Speichelfluss und Mundgeruch wie nach Quecksilberbehandlung.
Barium Sulphuricum – Bariumsulphat:
Klinisch : Abmagerung, Arteriosklerose, Demenz, Drüsenschwellung, Hämorrhoiden, Kopfschmerzen, Krebs, Leukorrhoe, Schwäche, Tonsillitis, Varizen, Wachstumsstörungen;
Hauptsymptome : Demenz; Idiotie; Verzögerte Entwicklung; Sehr ängstlich, besonders im Fieber; Immer in Eile; Ausgeprägte Reizbarkeit; Drücken im Magen nach dem Essen; Dröhnen in den Ohren,; Äußerliche Hämorrhoiden; ständige Feuchtigkeit am Anus; Schlaf sehr unruhig; Erträgt keinen Hunger, muss sofort etwas essen; Verlangen nach Salz, Schokolade, Süßem, Saurem, Pickels;