Heuschnupfen und Homöopathie

Die Sonne scheint, die Pflanzenwelt trägt ihr frisches Grün, der Lenz ist da, die Vögel zwitschern. Doch ca. jeder Fünfte kann sich daran nicht so richtig erfreuen. Kaum der Tristesse des Winters entschlüpft, beginnt für sie eine quälende Jahreszeit. Sie leiden unter Heuschnupfen. Die Augen tränen, die Nase läuft oder ist verstopft, Ohren und Gaumen jucken, Niesanfälle, das alles verleidet den Genuss der erwachenden Pflanzenwelt.
 
Der Heuschnupfen, auch allergische Rhinitis genannt, gehört zu den atopischen Erkrankungen. Der Begriff "Atopie" (aus dem Griechischem, bedeutet "Ortlosigkeit" oder "nicht zuzuordnen") beschreibt die Neigung auf eine harmlose Substanz der Umwelt, wie zum Beispiel Hausstaub oder Pollen, mit einer Überempfindlichkeitsreaktion zu antworten, eine sozusagen überschießende Immunreaktion, bei der fremde jedoch harmlose Antigene zerstört werden.
 
Die Ursachen hierfür sind nicht wirklich geklärt. Interessanterweise gab es in der ehemaligen DDR weit weniger Allergien als in der BRD, nun aber, nach der Öffnung 1989 gibt es kaum noch Unterschiede. Was könnte der Grund sein? Umweltverschmutzung, Zunahme der Hygiene, Impfungen (in der DDR wurde sehr viel weniger geimpft), psychische oder gesellschaftliche Faktoren? In Ländern der Dritten Welt gibt es so gut wie keine Allergien, jedenfalls bislang nicht. Nur eines lässt sich mit Sicherheit sagen, es gibt eine genetische bzw. familiäre Disposition zu allergischen Erkrankungen. Bei Eltern, die beide an Heuschnupfen, einem allergischen Ekzem oder an Asthma leiden, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die Nachkommen auch eine Erkrankung aus dem atopischen Formenkreis bekommen.
 
Die Erkrankung ist nicht zu unterschätzen. Der Augsburger Facharzt Andreas Hellmann, Experte für Allergologie, sagt in einem Interview in der SZ vom 13. April d.J., dass die ersten Allergiker Mitte Dezember schon in der Sprechstunde erscheinen und die Zeit des Pollenfluges seither ununterbrochen anhält, bis voraussichtlich in den Oktober. Das bedeutet für viele Menschen eine enorm lange Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität: Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und vor allem herabgesetzte Leistungsfähigkeit. Dass zum Beispiel das Abitur in die Hoch-Zeit der Allergie fällt, ist für viele Schüler ein enormes Problem.
 
Was kann nun die Homöopathie leisten? Wie bei jeder chronischen Erkrankung sollte tunlichst ein gutes Konstitutionsmittel gefunden werden. Falls man ein solches hat, kann man diese Arznei in der Zeit des Pollenfluges in einer niederen Potenz, z.B. in der C 6, täglich einnehmen. Ansonsten gibt es eine Reihe von sehr wirksamen Akutmitteln, die zu relativer Beschwerdefreiheit führen sollten.
Ein paar der wichtigsten sollen hier bezüglich der Heuschnupfensymptomatik beschrieben werden:

Allium cepa (Liliaceae)

Nase: Reichliche, wässrige, wundmachende, brennende Absonderungen. Verschlechterung des Schnupfens im warmen Zimmer und am Abend, beim Zubettgehen. Besserung im kalten Zimmer und im Freien.
Augen: milder, reichlicher Ausfluss, besonders am Abend. Die Augen brennen wie durch Rauch, Lichtempfindlichkeit, Verlangen die Augen zu reiben.
Atemwege: also ob im Kehlkopf etwas losgerissen würde, also ob bei jedem Hustenstoß ein Haken durch den Kehlkopf gezogen würde.

Aralia (Aralicea)

Nase: niesen durch geringsten Luftzug mit reichlichem, ätzendem, wässerigem Schleim, salziger und scharfer Geruch des Schleimes. Die Nasenmuscheln sind wund und schmerzhaft, Verstopfung der Nase.
Atemwege: Asthma bald nach dem Hinlegen oder aus dem ersten Schlaf heraus, Krampf und Kitzelhusten vor Mitternacht, Verschlechterung beim Hinlegen. Trockenes und keuchendes Atmen. Es besteht ein Wundheitsgefühl, Rauheit und Brennen hinter dem Brustbein und ein Fremdkörpergefühl im Hals.

Arum triphyllum (Araceae)

Nase: Schmerzen an der Nasenwurzel, empfindliches, rohes Gefühl der Nasenlöcher, schmerzhaftes Kitzeln in der Nase, sehr scharfe und ätzende Nasenabsonderung oder die Nase ist so verstopft, dass man nur durch den Mund atmen kann. Bohren und zupfen in der Nase.
Augen: reichlicher und milder Tränenfluss, Zucken der oberen Augenlider.
Atemwege: Kitzelhusten vom Schleim in der Trachea, Verschlechterung beim hinlegen, asthmatisches Atmen. Rohes Gefühl am Gaumen, Lippen und weicher Gaumen sind aufgesprungen, der Hals ist zusammengezogen und geschwollen und brennt, Heiserkeit und ständiges Räuspern

Arundo mauritanica (Gramineae)

Nase: Fließschnupfen, Geruchsverlust, viel Niesen, beim Niesen Stichschmerzen in der Lebergegend, die Nasenwurzeln schmerzen und manchmal ein Geschwür unter der geröteten Nase.
Auge: starke Lichtempfindlichkeit mittags und abends, die Augen jucken und brennen, vor allem links.
Atemwege: Der Heuschnupfen beginnt mit Brennen und Jucken des Gaumens und der Augenbindehaut. Ohrenjucken und Gaumenjucken sind wichtige Symptome.

Euphrasia (Scrophulariceae)

Nase: morgens vermehrter Fließschnupfen, milde Absonderung. Verschlechterung des Schnupfens nachts, beim Liegen und im Freien
Augen: Reichlicher, beissender, wässriger Tränenfluss, die Augen tränen fortwährend. Brennen und Jucken der Augen, Empfindlichkeit gegen kalte Luft und Wind, Augenschmerzen im Freien, schneidende Schmerzen, die in den Kopf ausstrahlen, Staubgefühl, auch heftiges Jucken zwingt zum Reiben und Zwinkern.
Atemwege: Husten mit reichlicher, loser Expektoration, erschwerte Atmung, Heuschnupfen mit Verschlimmerung tagsüber und morgens beim Umhergehen, Besserung beim Liegen.

Sabadilla (Liliaceae)

Nase: krampfhafte Niesanfälle mit laufender Nase, Heuschnupfen mit schlimmen drückenden Kopfschmerzen. Der Schnupfen bessert sich im warmen Zimmer und durch Einatmen von warmer Luft. Starke Geruchsempfindlichkeit gegen Blumen und gegen Knoblauch.
Augen: Die Augenlider sind rot und brennen, brennender Tränenfluß , vor allem in frischer Luft.
Atemwege: asthmatische Form des Heuschnupfens, Gefühl, als ob Haut lose im Hals hinge, trockenes Gefühl in Hals und Rachen, ständiges Bedürfnis zu schlucken.

Sanguinaria (Papaveraceae)

Nase: viel niesen, scharfe und wässrige Nasenabsonderung, brennen in der Nase, auch im Hals, scharfer Schleim in der Nase, der Brennen im Rachen verursacht. Nasenpolypen. Überempfindlichkeit gegen Blumen und Gerüche.
Atemwege: Schlimme Atemnot und Zusammenschnürung der Brust. Druck, Schmerz und Wundheit im oberen Brustteil, keuchender, pfeifender Husten mit Atemnot. Der Husten ist schlimmer nachts, hört nicht auf, bis man sich im Bett aufsetzt. Asthma mit Magenstörung. Während der Bronchialsymptome Brennen von Handflächen und Fußsohlen und umschriebene Wangenröte.

Sticta (Stictaceae)

Nase: Völlegefühl an der Nasenwurzel, Prickeln in der rechten Nasenseite, Geruchsverlust, dumpfer, schwerer Druck in der Nasenwurzel mit katarrhalischem Kopfschmerz, dauerndes Verlangen die Nase zu putzen, was aber keine Erleichterung bringt. Trockene Krusten in der Nase, besonders am Abend und in der Nacht.
Augen: Brennen und Schmerzhaftigkeit der Augäpfel, Brennen in den Augenlidern.
Atemwege: Prickeln in der Luftröhre ruft schweren, trockenen, quälenden Husten hervor, Schmerz durch den Brustkorb vom Brustbein zur Wirbelsäule. Trockener Reizhusten während der Nacht, Verschlechterung beim Einatmen, morgens ist der Husten locker.

Wyethia (Compositae)

Atemwege: Heuschnupfen, der sich vor allem im Jucken der Choanen äußert. Ständiges Räuspern, trockenes Gefühl hinten am Gaumen, Versuch, sich durch Husten von etwas zu befreien, der Hals fühlt sich geschwollen an. Ständiges Verlangen, Speichel zu schlucken, um die Trockenheit zu lindern.